Marktbericht
Mai 26, 2026

Wer in Zürich verkaufen will, sollte nicht auf den Herbst warten

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Von Morris Kathrein, Inhaber Property Partners AG | Mai 2026

Jeden Frühling höre ich denselben Satz. Eigentümer, die ich seit Monaten berate, sagen mir: "Wir warten noch bis Herbst." Manchmal steckt dahinter eine konkrete Überlegung. Meistens ist es Zögern, das sich als Strategie verkleidet.

Ich verstehe den Impuls. Aber die Zahlen sprechen dagegen.

Der Markt belohnt jetzt, nicht später

Im ersten Quartal 2026 haben Einfamilienhäuser in der Schweiz innert Jahresfrist rund 3.5 Prozent an Wert gewonnen, Eigentumswohnungen 3.7 Prozent. Im Kanton Zürich, wo strukturelle Knappheit die Nachfrage dauerhaft übertrifft, liegen die Zahlen regional teils noch höher.

Dazu kommen Hypothekarzinsen, die Kaufinteressenten echte Spielräume lassen. 5-jährige Festhypotheken liegen bei den meisten Banken zwischen 1.4 und 1.7 Prozent. Der SNB-Leitzins liegt bei 0.0 Prozent, erste Erhöhungen werden frühestens 2027 erwartet. Die monatliche Belastung für eine typische Liegenschaft in der Zürcher Agglomeration ist damit substanziell tiefer als noch vor drei Jahren.

Was das für Verkäufer bedeutet: Die Kaufbereitschaft am Markt ist hoch, die Finanzierungskosten der Interessenten sind tief, und die Zahlungsbereitschaft ist entsprechend gross. Bessere Ausgangsbedingungen für einen Verkauf gibt es selten.

Im Frühling verkaufen sich Liegenschaften besser als in jeder anderen Jahreszeit

Das klingt nach einem Klischee. Ist es aber nicht, denn der Grund geht tiefer als Sonnenschein und blühende Gärten.

Menschen kaufen keine Quadratmeter. Sie kaufen ein Lebensgefühl. Eine Liegenschaft, die im April besichtigt wird, wirkt anders als dasselbe Objekt an einem trüben Oktobernachmittag. Das Licht fällt warm durch die Fenster, der Garten zeigt sich von seiner besten Seite, und Interessenten können sich vorstellen, hier den Sommer zu verbringen. Professionelle Fotos, die jetzt entstehen, erzielen auf Inserateplattformen messbar mehr Klicks. Besichtigungen im Frühling dauern länger, weil Interessenten sich Zeit nehmen. Und wer sich Zeit nimmt, hat Kaufabsicht.

Wer im Herbst inseriert, kämpft nicht nur gegen schlechteres Licht. Er kämpft auch gegen die psychologische Stimmung der Jahreszeit, gegen Winterpläne und gegen eine Kaufzurückhaltung, die sich oft bis ins Frühjahr zieht.

Warum Zürich ein Sonderfall ist

Im Kanton Zürich kommen zwei Faktoren zusammen, die anderswo seltener so ausgeprägt sind. Erstens ist das Angebot strukturell knapp. Die Bautätigkeit hält mit der Nachfrage nicht Schritt, und die Leerstandsquote in begehrten Lagen liegt nahe der Nullmarke. Zweitens ist der Käuferkreis gross und überregional. Kaufinteressenten aus der ganzen Deutschschweiz, aus dem Ausland und aus dem eigenen Kanton suchen gleichzeitig nach Wohneigentum in der Agglomeration.

Das bedeutet: Gut aufbereitete Liegenschaften, die im Frühling auf den Markt kommen, treffen auf viele qualifizierte Interessenten. Das erzeugt Wettbewerb unter Käufern, nicht unter Verkäufern. Und Wettbewerb unter Käufern ist das, was einen Bestpreis möglich macht.

Im Herbst verschiebt sich dieses Verhältnis. Das Angebot steigt, Interessenten haben mehr Auswahl, die Verhandlungsposition des Verkäufers schwächt sich ab.

Der einzige Fehler, den man jetzt machen kann

Überstürztes Inserieren. Eine Liegenschaft, die schlecht fotografiert, unvollständig dokumentiert oder mit einem unrealistischen Preis auf den Markt kommt, verschenkt den besten Moment des Jahres. Interessenten erinnern sich an Liegenschaften, die lange online sind. Sie reagieren mit Skepsis, mit niedrigen Angeboten oder gar nicht.

Richtig gemacht sieht es so aus: Zuerst eine professionelle Marktwertanalyse einholen, die zeigt, was die Liegenschaft heute realistisch erzielt. Dann Unterlagen vollständig zusammenstellen, kleine Mängel beheben und professionelle Fotos bei gutem Licht erstellen lassen. Erst dann inserieren, bereit für ernsthafte Angebote. Das ist keine Frage von Monaten, sondern von wenigen Wochen gezielter Vorbereitung.

Was jetzt zu tun ist

Wer seine Liegenschaft dieses Frühjahr verkaufen will, sollte drei Dinge angehen.

Den Marktwert kennen, nicht schätzen. Mit aktuellen Vergleichstransaktionen lässt sich belegen, was der Markt heute für eine Liegenschaft zahlt. Das ist die Grundlage jeder Verhandlung und der entscheidende Unterschied zwischen einem Preis, der überzeugt, und einem, der abschreckt.

Die richtige Vermarktungsstrategie wählen. Öffentliches Inserat oder diskrete Vermarktung über eine aktive Käuferdatenbank? Je nach Liegenschaft und Eigentümer ist der eine Weg deutlich besser als der andere.

Und dann handeln. Der Herbst ist keine bessere Alternative. Er ist eine andere Saison mit anderen Bedingungen, die für Verkäufer strukturell weniger günstig sind.

Falls Sie wissen möchten, was Ihre Liegenschaft heute wert ist, sprechen Sie mich gerne direkt an. Eine kostenlose Marktwertanalyse ist unverbindlich und zeigt Ihnen, wo Sie stehen.

Morris Kathrein Inhaber Property Partners AG | propp.ch [email protected]

Marktdaten basieren auf Wüest Partner Prognosen Q1 2026 sowie aktuellen Transaktionsdaten des Schweizer Immobilienmarkts.

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